Di 29.03.2016

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Der Dienstag ist im ganzen schön und positiv verlaufen.

Auf der Arbeit ist im Moment mal wieder eine Art Notbesetzung, bedingt durch Urlaube, Krankheiten, Dienstreisen usw. Ich finde es schön, dass deswegen mein Kollege, der ansonsten meistens von zu Hause aus arbeitet, in dieser Woche täglich im Büro ist. Dadurch ist es im Empfangsbereich deutlich ruhiger und entspannter.

Aber heute war eh im ganzen ein sehr ruhiger Tag, bedingt durch die Osterferien an sich, aber auch durch die urlaubsmäßig verlängerten Ostertage. Das habe ich sowohl morgens am Bahnhof (also im Zug), als auch im Laufe des Tages gemerkt, da das Telefon (Zentrale) heute relativ ruhig gewesen ist.

Eigentlich wollte ich heute Abend noch Sport machen, aber mir ging es nicht ganz so gut. Ich habe die meiste Zeit locker und entspannt auf der Couch gelegen. Aber da ich den Sport ja an den letzten 4 Tagen, also übers Osterwochenende, so intensiv durchgezogen habe, fand ich das nicht ganz so schlimm. Morgen (also am Mittwoch) habe ich ja eh wieder Training und da am Freitag erst der 01. April ist, kann ich die 10. eigene Sporteinheit dann ja noch am Donnerstag durchziehen (die 100 Kilometer voll machen). Ich hoffe, dass ich mich dazu dann am Donnerstag auch wirklich aufraffen kann (dann muss ich den inneren Schweinehund auf jeden Fall wieder besiegen!!).

Meine Mutter und ihr Freund tun mir leid. Sie sind doch erst im August in ihre neue Wohnung umgezogen. Bedingt durch den Darmkrebs (ihres Freundes) hat sich das komplette Einrichten mächtig verzögert, aber inzwischen sind sie damit zum größten Teil fertig.

Heute morgen (also am Dienstag morgen nach Ostern) haben sie jetzt erfahren, dass bei ihnen (auf ihrer Wohnseite in diesem Hochhaus, in allen Wohnungen in diesem Bereich) neue Kabel verlegt werden. Dort haben sie eine komplette Schrankwand mit Regalen, Fernseher usw. stehen. Also alles wieder komplett ausräumen und die Wand dafür frei machen. In einer Wohnung oberhalb war diese Wand schnell frei, dort wurde bereits heute Mittag angefangen. Meine Mutter rief mich kurz auf der Arbeit an. War das ein Lärm im Hintergrund, ein lautes Hämmern und Bohren, um die Wand zu öffnen, das Kabel neu zu verlegen (sie haben dort Kabelfernsehen, aber warum es jetzt plötzlich neu verlegt werden muss, das hat sie auch nicht verstanden). Und morgen, also am Mittwoch, geht die Chemo von ihrem Freund weiter. Danach wird er wieder ein paar Tage mit starker Übelkeit flach liegen. Und das bei diesem Lärm auf einer "Baustelle". Ja, die Beiden tun mir jetzt wirklich leid.

Heute Abend gab es hier eine Schale Fischfilet "a la Bordelaise" mit Broccoli-Belag sowie einen Teller grüner Salat mit Essig/Öl und Kräutern. Etwas später habe ich noch einen Erdbeer-Quark gegessen, weil ich den Essig-Geschmack vom Salat nicht weg bekommen habe.

Mir tat es heute so leid, als ich gelesen habe, dass Roger Cicero gestorben ist. Zuerst habe ich das für einen Fake gehalten. Als erstes habe ich gelesen, dass Andreas Gabalier gestorben sei, was wirklich ein Fake war. Als ich dann die Meldung von Roger Cicero gelesen habe, habe ich es zunächst gar nicht geglaubt. Ich fand seine Lieder zwar nicht so toll (wie immer Geschmacksache), aber dennoch war er mir natürlich ein Begriff. 45 Jahre, noch viel zu jung.

Aber so ist halt das Schicksal. Wie ich gelesen habe, ist sein Vater auch an einem Hirnschlag gestorben. Das scheint bei ihnen in der Familie zu liegen. Manche Menschen werden 70/80 Jahre und älter und andere sterben halt sehr jung. Aber andererseits, wie viele Menschen werden zwar sehr alt, sind über viele Jahre auch schwer krank, pflegebedürftig, immer auf fremde Hilfe angewiesen. Auch nicht so toll....

Ich muss gerade an ein Interview mit Jenny Jürgens denken, der Tochter von Udo Jürgens. Sie meinte kurz nach seinem Tod, dass sie es schade fand, dass er so plötzlich und unerwartet gestorben sei, dass sie sich von ihm nicht mehr verabschieden konnte. Aber sie sagte auch direkt, dass das ein total egoistisches Denken ist. Für ihren Vater war das der Beste, ein sehr schöner Tod. Wenn er das überlebt hätte, womöglich mit folgenschweren Hirnschäden, dann hätte sie sich zwar von ihm verabschieden können, aber wer weiß, wie dann sein weiteres Leben (womöglich auch als Pflegefall) ausgesehen hätte. Ja, für den Betroffenen selber ist so ein Tod dann sicherlich besser (wobei Roger Cicero wirklich noch sehr jung war, eigentlich noch viele schöne Jahre vor sich hätte haben können).

Aber wie mein Freund schon sagte (als ich heute Abend deswegen etwas sentimental war), wie viele Kinder sterben an Krebs, ohne dass darüber im Fernsehen berichtet wird (weil sie halt keine Sänger waren), seine Mutter ist ja auch nur 51 Jahre geworden, mein Vater ja auch nur 47 Jahre und beide waren keine Sänger, über beide wurde nichts im Fernsehen gebracht.

Mein Vater war (als er noch gesund war) einmal im Fernsehen. Es war eine kleine Reportage über seinen Beruf, über ein paar Minuten, die meine Mutter bis heute auf VHS-Kassette aufbewahrt hat (natürlich mit einer schlechten Qualität, der Bericht in etwa von Mitte der 80er Jahre).

Mein Vater war ja gelernter Dreher. Er hat sich schon früh hobbymäßig für die Auswertung von Röntgenaufnahmen interessiert. Schon auf den ersten Röntgenbildern, die von meinem Rücken (von der Verbiegung) gemacht worden sind (in der Grundschule), sah er mehr Einzelheiten als die Ärzte, sprach die Ärzte auf viele einzelne Punkte an.

Dieses Hobby wurde immer größer, er besuchte Abendschulen und bildete sich diesbezüglich immer weiter fort. Nicht im medizinischen Bereich (wobei er darin auch sehr gut war, als meine Mutter sich den Fuß beim Umknicken gebrochen hatte, sah er auch auf dieser Röntgenaufnahme mehr Einzelheiten als die Ärzte), ihn interessierte mehr der Metallbereich, die Stahlbranche.

Ja, und dann hat er schließlich eine komplette Umschulung gemacht, fing dann in einem Betriebsforschungs-Institut an (das gibt es inzwischen nicht mehr). Dort hat er sich ruck-zuck vom kleinen Mitarbeiter zum Abteilungsleiter hochgearbeitet. Sein "Röntgenblick", seine konkreten Auswertungen waren immer sehr gut.

Er fuhr mit seiner Abteilung durch die ganze Welt, Amerika, Brasilien, Afrika, Asien usw. Sie röntgten Brücken, Schulen, Schwimmbäder, Turnhallen usw. (bezüglich Risse usw.) Nach seinen Auswertungen verhandelte er dann mit den Firmen (die diese Reparaturen durchgeführt haben) und vergab dann auch die Aufträge.

Einmal hat er halt eine große, wichtige Brücke geröntgt (welche weiß ich leider nicht mehr). Diese Brücke war stellenweise marode, musste dringend ausgebessert werden. Ja, und da war dann das Fernsehen, der WDR dabei, hat meinen Vater interviewt und er hat auf einer Röntgenaufnahme genau gezeigt, wo die Brücke Risse hat, was unbedingt repariert werden muss. Mein Vater war damals (dabei) so nervös, dass er sich auch kurz etwas versprochen, etwas verhaspelt hat, es aber schnell wieder im Griff hatte. Über diesen kleinen Fernsehausschnitt ist meine Mutter noch heute stolz. Hin und wieder holt sie diese VHS-Kassette noch aus dem Schrank und sieht sie sich an (wenn sie in Erinnerungen schwelgt, mal wieder seine Stimme hören möchte).

Ja, aber dieser Beruf war auch sein Todesurteil (auch alle Kollegen in seiner Abteilung, die dabei waren, sind längst an Krebs gestorben). Die Sicherheitsvorkehrungen waren damals bei weitem noch nicht so groß wie heutzutage. Sie liefen auf den Baustellen immer nur so herum, völlig ohne Schutz (bezüglich der starken Röntgenstrahlen, die ja schließlich die dicken Stahlmauern durchdringen mussten). Er hat uns nach allen Baustellen die Fotos gezeigt, sie liefen dort alle (Amerika, Brasilien, Afrika) nur locker im Hemd rum.

Ja, und dann erkrankte einer nach dem Anderen an Krebs. Mein Vater war zufällig der erste, innerhalb weniger Jahre waren alle tot und die Abteilung wurde komplett aufgelöst (meine Mutter hatte eine Zeitlang noch Kontakt zu den anderen Kollegen und deren Frauen, nachdem alle Männer tot waren, hat sich dieser Kontakt dann jedoch gelöst).

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