Nächtliche Melancholie

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Ich hab' so lang nicht mehr geschrieben, obwohl ich eigentlich oft daran gedacht hatte. Wir haben gleich 5 Uhr morgens und ich will noch nicht schlafen, also dachte ich mir, ich schreibe jetzt. Vor allem weil Jan letztens mir noch vorwarf, ich solle endlich einen neuen Eintrag verfassen, damit er etwas ›lustiges‹ lesen kann (im Sinne von ›spannend‹, versteht sich).

Mir geht's gut.

In den letzten Tagen war erheblich wenig los und trotzdem recht viel. Wie man das verstehen kann, ist simpel; ich hatte viel Kontakt mit Leuten aus dem Netz oder via Netz, weswegen es nie langweilig war, allerdings verbrachte ich die meiste Zeit doch Zuhause.

Sasha und ich verstehen uns wirklich gut. Wobei es Dinge gibt, die mich an ihn total aufregen. Wie zum Beispiel, dass er ständig von irgendwelchen Leuten faselt, mit denen er im Netz Kontakt hat. Oder dass eine gemeinsame Freundin (sie wohnt bei mir um die Ecke; ihn kennt sie nicht persönlich) eifersüchtig ist, wenn er mir ›virtuell‹ sein Herz schenkt, obwohl sie einen Freund hat und ihn das echt beschäftigt. Oder dass ich oft das Gefühl habe, dass er mir aus dem Weg geht. Und dass er mir ›zu romantisch‹ ist.

Ich hasse romantischen Kitsch. Ich verstehe auch gar nicht, wie manche Stunden lang sich ansülzen können. Sasha sagt ab und zu echt niedliche Dinge. Wie zum Beispiel ›Ich könnte dich doch niemals ersetzen‹. Okay. Kann er nicht. Schön. Darauf antworte ich mit »Oh, süß« und damit ist das Thema für mich beendet. Er scheint darauf aber wohl ganz besondere Sätze zu erwarten und bei Gott habe ich echt keine Ahnung, was genau man auf so was sagt. Ist mir dann auch egal, ich mag so'n Kitsch halt einfach nicht. Und wenn er echt erwartet, dass ich paar Minuten übers Telefon ›herumturtele‹, dann ist er bei mir echt auf der Holzspur. Aber das habe ich ihm auch schon einige Male gesagt.

Was mich echt freut, ist, dass Jan und ich uns eigentlich ziemlich gut in letzter Zeit verstehen. Zwar regt er mich wie immer mit Kleinscheiß auf, aber ich gebe mir echt Mühe, dass wir uns gut verstehen und schreibe ihm oft SMS, oder rufe ihn an. Er wird die nächste Zeit ziemlich beschäftigt sein und ich möchte auch nicht, dass er denkt, ich würde ihn durch Sasha ersetzen, weil wir nun eigentlich jeden Tag einen Anime sehen.
Außerdem skyped er oft mit mir und Sasha. Letztens haben wir einen Spieleabend gemacht, was wirklich lustig war. Auch wenn das Spiel für'n Arsch gewesen ist... Aber es war dennoch lustig, was die beiden da so von sich gaben.
Und Jan besucht mich bald wieder ^_^ Bis dahin muss ich zwar aufräumen, aber ich freu mich drauf! Ich habe ihn ja schon sooo lange nicht mehr gesehen… 2 Monate? 3? Zu lange, definitiv.

A propos Anime; Sasha und ich haben heute Elfen Lied zuende gesehen. Na ja, wir haben ihn auch gestern erst begonnen, sind ja ›nur‹ 4 ½ Stunden.
Jedenfalls war er total begeistert, obwohl er normalerweise nur Romance Animes sieht. Und halt Animes, wo auf Humor angesetzt ist; eben das komplette Gegenteil von dem, was ich mag. Jedenfalls war er echt skeptisch und hatte eigentlich gar keine Lust darauf. Und ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass er mir mit dem Satz »Woah, ich hab' Lust, jetzt was mit viel Blut zu gucken!« lediglich imponieren wollte. Aber selbst schuld, so sahen wir eben Elfen Lied!

Anfangs noch total schockiert von den ersten Szenen, war er gen Ende total geflashed. Er hat richtig mitgefiebert und war total gespannt. Und ihm gefiel gen Ende sogar die Action mehr als das Herumgeschnulze. Außerdem hat mich dieser Abend an alte Zeiten erinnert.

Wahrscheinlich lag es echt daran, dass ich merkte, wie viel Freude Sasha mit dem Anime hatte. Denn es erinnerte mich an die Zeit von vor zwei Jahren, als ich ebenfalls so geflashed war. Zwar nicht von dem Anime (das war schon bereits vor 5 Jahren…), sondern vom Manga. Nach sageumwogenen fünf Jahren wurde dieser nämlich endlich ins Deutsche übersetzt und ich hab' mir wirklich jeden einzelnen Band ziemlich schnell gekauft (auch wenn ich ein Jahr lang warten musste, bis ich endlich 18 war und ihn kaufen konnte – meine Mutter hat's nämlich nicht erlaubt gehabt xD).

Jedenfalls kam da heute wieder dieses Gefühl auf – diese Erinnerungen. Als sei es erst gestern gewesen. Ich weiß noch, wo ich damals – 2010 – kurz erst die Schule gewechselt hatte und nur einen einzigen Tag diese besuchte, bevor ich abbrechen wollte. Wegen dem gesamten Stress mit meinen Eltern und einfach diesem Unwollen, meine Privatschule nie wieder besuchen zu können.
Da meine Eltern mich nicht zur Schule zwingen konnten, aber es mehr Stress gab, sagten sie kurzum: wenn ich nicht zur Schule gehe, so habe ich trotzdem um 7 Uhr aufzustehen und das Haus zu verlassen. Egal, was ich mache.

Und was habe ich gemacht?
Zuerst bin ich immer in die Stadt gelaufen. Bin da herumgeirrt, da keine Läden offen hatten. Bin ans andere Ende der Stadt gefahren. Lief spazieren. Habe mich in den Zug gesetzt und bin irgendwohin gefahren, ohne Plan wohin.
Und nach 'ner Woche fand ich etwas, was ich dann jeden Tag machte: ich setzt mich in ein Café. Trank Kaffee. Aß Gebäck. Und… las den Manga Elfen Lied.

Dieses Gefühl, welches ich zu dem Zeitpunkt in der Brust hatte, spüre ich momentan gerade wieder. Einerseits war die ganze Geschichte so spannend; ich schwänzte Schule und 10000 Leute sahen mich dabei quasi. Andererseits hatte ich wirklich furchtbare Angst, wirklich richtig, richtig große, dass mein Stiefvater jeden Moment mit dem Auto vorbei fährt und mich mitnimmt und zur Schule zwingt. Oder dass sie die Polizei ansetzen oder sonst was. Jedes Mal, wenn ein silbernes Auto am Fenster des Cafés vorbei fuhr, jedes Mal, wenn die Tür auf ging… bekam ich einen halben Herzinfarkt. Diese Angst war wirklich unglaublich. Und dann hat mich die Story von Elfen Lied zusätzlich auch noch so geflashed, welches das Feeling um mich herum wahrscheinlich noch mehr verstärkt hat.

Ich weiß nicht, ob ich diese Erinnerung glücklich oder unglücklich in Erinnerung habe. Einerseits habe ich diese Tage im Café echt geliebt. Ich habe quasi zum ersten Mal meinen Willen zu 100% durchgesetzt und fühlte mich frei, trotz der Angst. Und es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht. Gleichzeitig war diese Zeit drum herum aber auch total beschissen; ich war Zuhause mehr als unglücklich, jeden Tag diesen Streit, der ganze Stress wegen der Schule, die mir Bußgeld von 1000€ androhten und und und.
Insgesamt denke ich an diese Zeit aber doch mit einem Lächeln im Gesicht zurück. Vielleicht doch, weil mich diese Durchsetzung meines eigenen Willens so sehr gefiel und ich dieses Feeling im Café mit Kopfhörern auf und den Manga in der Hand umwerfend fand. Vielleicht aber auch, weil ich dies nun alles hinter mir habe und sagen kann, dass ich es daraus geschafft habe.

Und vor allem ist es schön, dass ich Sasha solche Sachen erzählen kann. Ich schwafel ihn oft mit Dingen zu und er hört mir einfach nur zu. Manchmal weiß ich nicht, ob er nur zuhört oder es ihn nicht interessiert, weil er meistens nicht dazu zu sagen hat. Manchmal jedoch sagt er dann aber doch was dazu und man merkt, dass er mir echt richtig zugehört hat. Ich komme mir jedenfalls nicht nervig vor (meistens jedenfalls, manchmal weiß ich selbst, dass ich grad SEHR nervig bin xD).

Halb 6. Bin immer noch nicht müde, muss jedoch in 6 Stunden spätestens aufstehen. Ich habe nämlich einen Arzttermin wegen meines Beins. Ich hoffe, dass da endlich was bei heraus kommt; 5 Jahre lang mit diesen Schmerzen ist langsam echt genug. Hoffentlich!

Danach bin ich mit Tabea einen Bubble Tea trinken. Manuela ist momentan bei ihrer Familie in BaWü und da sie kein Geld hatten, dass Tabea hätte mitfahren können, ist Tabea nun das erste Mal ganz allein in ihrer Wohnung. Gestern flehte sie mich an, dass sie heute zu mir kommen darf. Sie würde auch für mich kochen. Aber sie fühlte sich total einsam und brauchte Gesellschaft.
Ich hätte auch ›Ja‹ gesagt, wenn sie mich nicht so angebettelt hätte. Aber ich hab' mich drüber gefreut, dass sie mich so gerne sehen möchte. War auch ein ganz cooles Treffen; ich hab' ja immer Angst, dass man sich nach 'ner Zeit dann anschweigt, denn zu zweit ist es immer noch was anderes als sonst immer zu dritt. Aber war gar nicht so, wir haben eigentlich genau so viel erzählt wie immer. Wieso ich mit Manu und Tabea eigentlich IMMER am Faseln bin, ist mir echt ein Mysterium, das habe ich sonst echt nie. Irgendwann kommt immer Stille auf, meistens schon nach wenigen Minuten.
Jedenfalls seh' ich Tabea schon morgen – bzw heute – wieder.

Gibt es sonst noch was zu erzählen…? Ach ja; ich hab' wahrscheinlich bald einen Job! Im Theater. Angenommen bin ich bereits, das muss nur noch die Arge genehmigen (was sie zu 95% wohl tun wird) und ich muss irgendwie abklären, ob die Schule dies als ›Berufserfahrung‹ gelten lässt. Aber ich werde wohl zu einer ziemlich hohen Wahrscheinlichkeit dort anfangen, auch wenn nur für 'nen Monat, wenn die Schule das nicht akzeptieren würde. Wird aber sicherlich cool.

So, es wird hell. Ich leg mich nun ins Bett, zock' noch ein wenig und werde dann wohl einschlafen. Und kurz bevor ich das Haus verlassen muss, aus dem Bett fallen und mich dafür hassen, dass ich wieder mal so lange wach blieb.

In dem Sinne; gute Nacht!

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