In der Klapse [3]

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Meine Stimmung ist im Moment ziemlich im Keller. 

Die Psychologin wollte ein Gespräch mit meiner Mutter zusammen, also kam sie her. 
Als ich sue um 4 Uhr sah, war ich zuerst ganz froh, sie zu sehen. Sie lächelte auch, brachte mir ein Schokobrötchen mit und ich wollte ihr zwei selbstgemalte Bilder von mir zeigen. Mit anderen Worten: wir waren gut drauf. 

Dann beim Gespräch änderte sich das schlagartig:

Sie wurde gefragt, wie es denn nun weiter gehen könnte. Und da begann sie zu erzählen. 
Dabei fiel mir vor allem eine Sache auf:  sie war das komplette Gegenteil von dem, was ich war; redselig und ohne Scheu, mehr als nötig zu erzählen. 

Auf die Frage antwortete sie nicht. Stattdessen schwenkte sie dazu, wie ich bin. Dass ich immer nur im Zimmer bin und am Pc oder mit dem iPhone spiele. Dass ich Fehler der anderen zu sehr auf mich beziehe und es mir deswegen mit Debby verscherzte. Und dass ich antriebslos sei und die kleinsten Dinge nicht tue, meinen Koffer nicht ausräume und die ausgeräumten Sachen aus meinem Zimmer, die im Keller liegen, wieder einzuräumen. 

Dass sie wieder auf Debby zurück kam, fand ich mehr als scheiße. Erneut wurde ich wütend, weil sie NIE auf meiner Seite war, dass sie das jetzt gerade anspricht, obwohl es niemanden interessierte und nichts mit dem Thema zu tun hatte. Aber hauptsache, sie hat erwähnt, dass ICH an allem Schuld habe, weil die Streitereien (von denen sie nichts weiß) alle nichtig sind. 

Dann wurde ich gefragt, was ich davon halte. Im Inneren brodelte ich vor Wut, von Aussehen sah ich vielleicht so aus, als würde ich nachdenken. Ich sagte nur, dass ich die Sachen wieder einräumte und der Rest weggeworfen werden konnte (sie schien eine Diskussion darüber starten zu wollen, dass ich dann den Müll trennen und zum Sperrmüll bringen könnte, aber darauf sagte ich einfach nichts mehr) und dass ich nicht immer nur auf meinem Zimmer bin. (Und selbst wenn, dann schreibe ich Romane. Stunden lang am Stück, das ist doch auch etwas positives, isn't it?! Aber das sagte ich auch nicht...)

Darauf sagte sie, dass ich so gut wie nie draußen bin. Und brachte ein Beispiel:
"Letztens fragte ich, was sie die ganze Woche lang tat und da sagte sie 'Ich war heute 3 Stunden bei McDonalds'. Ich meine, das ist doch keine Beschäftigung, das würde ich nicht mal erwähnen. Und 3 Stunden, na ja, gut. Kino wäre vielleicht etwas erwähnenswertes, aber..."
-_____________-
1. Hat sie gefragt, was ich am TAG gemacht habe
2. War es 16 Uhr gewesen, also war ich von 12 - 15 Uhr draußen, ist für mich nicht 'im Zimmer bleiben'
3. Ists doch scheiß egal, was man draußen macht, oder ?! Ich wollte halt kein Geld ausgeben. 
Aber dazu sagte ich wieder nichts, weil ich vor anderen ungern streite, auch, wenn man das vorm Psychologen vielleicht sollte... Aber ich hielt brav meine Klappe. 

Jedenfalls geschah dann etwas, was ich nie gedacht hätte. Die Psychologin fragte, ob es entschieden sei, dass ich ausziehe. 
Ja. 
Ok, und ob ich bis ich eine Wohnung habe denn noch nach der Behandlung bei ihr wohnen dürfte. 
Nein. 

Ich dachte erst mal "Ich hör doch jetzt ncht richtig"; ich darf nicht mal noch paar Wochen bei ihnen wohnen ?! Ich bin ihnen so zuwider ?!

Etwa 30 Minuten diskutierten sie da rum, sie müsse das erst mal mit ihrem Mann besprechen, ob sie mir 'ne Wohnung suchen, sodass ich da sofort rein kann, aber ich kann nicht noch paar Tage bei ihnen wohnen. Das geht einfach nicht. 

Ich saß da einfach nur und starrte auf meine Finger. Unfassbar einfach nur. So viel zu "Ich kann IMMER zu ihr zurück kommen, sie wird IMMER für mich da sein". Alles Lügenmärchen. 

Und dann wurde sie noch gefragt, ob ich denn wenigstens Unterstützung bekomme. Ja, wenn ich 'ne Ausbildung mache, sicherlich! 
Pah, klar, dann MUSS sie ja bezahlen, nämlich Unterhalt. Bis zur Ausbildung ists aber erst mal noch 'n Jahr hin, ne? 
Auch diePsychologin fragte da weiter nach, ob sie denn auch die Wohnung so lange bezahlen, bis ich das selbst tun könnte, doch meine Mutter gab immer die selbe Antwort, was irgendwann nicht mal mehr eine auf die eigentliche Frage war. 

Also kann ich jetzt nicht mal mehr die Wochenenden nach Hause. Verzeihung, "zu meinen Eltern", denn ich bin ja nun quasi obdachlos. Wunderbar, dabei hatte ich mich darauf schon gefreut, dass ich am WE heim könnte, wieder was mit Debby und Co machen könnte und nun wünsche ich mir nur, dass der Freitag niemals kommen mag. Und wieder dass ich tot bin. 

Es ist alles sowas von aussichtslos...

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hey Erdengel, Ich versteh

hey Erdengel, Ich versteh deine Mutter einfach nicht. Was hat die frau bitte für Erwartungen an dich??? du bist jetzt schon den schritt gegangen dir helfen zu lassen, was will sie? das du von einem tag auf den anderen dein komplettes leben in den griff bekommst? das ist doch unmöglich und sie behandelt dich verdammt ungerecht. Das sie dich nicht mal mehr ein par tage Obdach geben will das ist so .. arg ich kann diese Ungerechtigkeit nicht mal in Worte fassen. Ich wünschte ich könnte deiner mutter mal die Meinung geigen -.- Und ich wünschte ich könnte neben dir sitzen und dir zuhören, bitte gib nicht auf.

MfG Lynx

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