Beerdigung

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Heute war ich auf der Beerdigung meines Großvaters. Er war der Vater meines Vaters. Ich wollte dort nicht hin. Einerseits weil ich Beerdigungen hasse - na klar, wer mag die schon? - anderseits weil ich meinen Vater nicht wiedersehen wollte.
Meine Mutter kam mit mir mit.
Das einzig gute an der Beerdigung war, dass ich meinen kleinen Bruder wieder sehen konnte.
Als wir ankamen, stand der auch schon mit meiner Cousine an einer Hecke. Sie warteten auf mich. Er rannte zu mir, ich nahm ihn auf den Arm und drückte + knuddelte ihn. Dann gingen wir zu den anderen.

Manche begrüßten uns. Mein Vater stand vor mir, seine Mundwinkel waren nach ganz unten gerutscht. Er recihte meiner Mutter die Hand, mir nicht. Ich war erleichtert. Doch er sprach mich doch an. "Hey" Er stellte sich neben mich. "Wie gehts dir?" Ich schaute ihn nicht an, stur gerade aus. "Wie es einem eben so geht", habe ich geantwortet. Ich meine, ein Schnauben von ihm gehört zu haben, so wie er es früher immer machte, wenn er dachte "Oh Mann, wie scheiße die wieder ist". Deswegen fügte ich noch hinzu: "...auf einer Beerdigung." Ein weiteres Wort sprach ich nicht mit ihm.

In der Kapelle musste ich vorne sitzen, Mama saß hinten. Ich saß neben meiner Tante. Sie und ihre Tochter saßen eng zusammen, hielten sich im Arm. Sie versuchte die Tränen zurückzuhalten. Anfangs kämpfte ich mit den Tränen, als ich das Foto hinter der Urne sah, doch dann hörte es auf. Als alle weinten, wollte ich auch, doch dann war es wohl zu spät... keine Tränen kamen heraus. Vor der Urne standen Kränze. Auf einem Kranz stand ich drauf. Gleich unter Vater + seiner neuen Frau. Ich war verwundert, dass sie mich mit drauf schrieben. Mutter hatte mir auch gesagt, dass sie es wahrscheinlich nicht tun werden.

Ich schaute zu meinem Vater. Er heulte ganz bitterlich. Ehrlich gesagt rechnete ich nicht damit. Obwohl er immer total sentimental war + sehr schnell weinte, überraschte mich das. Er starrte die ganze Zeit auf sein Bild + weinte weiter. Ja, es war sein Vater. Jedoch redete er doch immer schlecht über ihn? Er brüllte immer, er würde sich freuen, wenn er bald tot ist. Dann wäre seine Mutter von ihm befreit. Er wäre für alle nur eine Last gewesen. Ich machte mir Gedanken darüber, ob er diese ganzen bösen Sätze nun bereuen würde. Oder ob er immer noch daran glaubt. Ob er sich wünscht, sich bei ihm dafür zu entschuldigen zu können. Oder der Meinung ist, alles richtig gemacht zu haben.

Als alle hinaus gehen sollten, nahm der Pastor die Urne und drückte sie meinem Onkel in die Hand. Onkel trug eine Sonnenbrille. Ich drehte mich um und ging in die Richtung meiner Mutter. Da liefen mir Tränen übers Gesicht. Und ich konnte sie nicht mehr zurück halten.

Die Urne wurde zum Grab getragen. Vor dem Grab standen wir dann, ich stand mit Mama ganz vorne. Mama wollte sich weiter nach hinten stellen, aber ich wollte, dass sie bleibt. Sie durfte mich einfach nicht alleine lassen. Der Pastor kam nach der kleinen Rede an allen vorbei + reichte den engsten Verwandten die Hand + wünschte nochmal sein Beileid. Vor mir stand meine Cousine. Sie war die letzte, die seine Hand bekam. Mich ließ er aus. + ich fühlte mich wieder so ausgegrenzt. Ich war ja schon immer die, die von der Familie immer kritisiert wurde. Aber wegen meinem Vater, bei dem ich von aus gehe, dass er genau so über mich redet wie über Opa, verstärkte sich nun eben das Gefühl, nicht dazuzugehören.

Mein vater sprach nicht weiter mit mir. Er reichte uns 'Kindern' eine Gummibärchentüte. Meine Cousinen + mein Bruder spielten mit meinem Handy + gaben es gar nicht mehr wieder her... Gott, wie ich den Kleinen vermisse...

Ich hatte Angst, zu gehen + meinem Vater die Hand zu reichen. Ich musste es aber tun. Es war ein unangenehmes Gefühl + ich war froh, als es vorbei war. Die ganze Zeit über hatte er ein böses Gesicht. Wegen seinem Vater wohl, denke ich.
Ich hoffe aber nciht, dass er sich melden wird. Aber er unterstützte sogar, dass mein Bruder mit mir zusammen war. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Ich vermisse meinen Bruder. Ich will ihn wieder bei mir haben. Ich vermisse es, ihn auf den Arm zu halten wie heute. Und ihn zu drücken.

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Hey,meld dich mal bitte bei

Hey,meld dich mal bitte bei mir über e-mail,(ich würd mich ja bei dir melden aber wie?)wär voll nett.Ich hab das gleiche durchgemacht wie du als ich 11 war (jetzt bin ich 16),kp ich versteh dich vieleicht mehr
als du denkst,(ich mag deidara übrigens auch)

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