zorn und zeit

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ideengeschichtliche betrachtungen tragen mich nach indien

der gott israels war ein zorniger gott für ein unterdrücktes volk 
die a r c h e t y p e n der zurückhaltung, der distanz hatten sie bereits, dazu gehört
der k o r n s p e i c h e r und das b u c h - die Schriftkultur

Unmittelbarkeit ist was anderes, ist seinem Zorn freien Lauf lassen. Das wollen sie nicht mehr. Ein Archiv wird aufgesetzt:

Unrecht wir aufgezeichnet, Zornaufbewahrungen werden vorgenommen.

Den Diskriminierten wird die Beherrschung seines Kränkungsaffekts zugemutet.
Das ist ein wichtiger Schritt. Daraus entsteht Neues. Das ist die Voraussetzung für einen Strukturwandel. 

Damit diese Voraussetzung bestehen bleibt, muss die Vergebnung gestoppt werden. 
Wenn man die alttestamentarischen Feind- und Fluchpsalmen liest, versteht man das.

Da wird etwas Akkumuliert, da wird etwas aufrechterhalten.

Da wird ein Dauerresentiment entwickelt 
Dieses Dauerresentiment ist der Humus für den Schaffensmythos

Dadurch werden längerfristig die politischen verlierer zu Siegern. Dadurch wird aus dem Gott der Israeliten ein Schöpfer, ein Schaffer und ein Gott der Sieger.

ein kollosaler Schritt:
hier werden Niederlagen effizient zu Überlebensprogrammen umgearbeitet.
 

und noch einer danach ein noch schwerer zu verstehender:
die Pädagogik des Feuers

Indem sie ihr Elend als Straf- und Läuterungszorn ihres Gottes Jahwe interpretieren, verinnerlichen sie Gewalterwartungen schmieden sie im Feuer
entwickeln sie eine Innovationskultur
 

die sich aber weiter entwickelt zu einer vorstellung des gesamtuntergangs der systeme, der Apokalypse 

die aber zu einer Art Sackgasse führt

höre ich doch auf zu investieren, wenn es nur noch den Untergang zu gewinnen gibt

asiatische Religionen kennen diese fatalistischen Maya-Betrachtungen

Das Auftreten Jesu führt da heraus, indem es die apokalyptische Spannung vom Jenseits ins Dieseits verlegt und eine Art geistige Welt erschafft, eine sinnliche Abgewandtheit von der Welt. Bei Gott sein, heisst jetzt nicht mehr in der Welt sein. Es ist so eine Art Schöpfungs-Metaebene geschaffen, in die man expandieren kann - Second Life vor 2000 Jahren erfunden.

Diese Ebene, diese Entwicklung hilft den Abendländern später die Welt zu erobern.

Hier kommt die Epsilontik der Mathematik her, das Rechnen mit Symbolen, denen jede Repräsentanz entzogen wurde. 

Die Unruhe des Werdens, die kommt hier her.   

die Buchreligonen führten aus diesem Dilemma heraus, indem z. B. das Christentum 

hier tritt wieder der rebellische hochmutsengel auf, das böse repräsentierend
(natürlich hierarchisch untergeordnet )
aus dem apokalyptischen empfinden folgt das aufhören
jeglicher spiritueller und sonstiger investitionen in die welt: sackgasse!
jetzt kommt jesus ins spiel.
er brachte einen neuen gedanken – superorginell
er verkündet, dass das reich, das kommen soll, schon von dieser welt sei
und hat damit (durch die transzendenz) die quadratur des kreises geschafft
er hat die apokalyptische spannung, die sich aus dem zornarchiv ergibt
aufgelöst und doch aufrechterhalten ( indem er sie ins jenseits verlegt)
die neue welt hat sich bereits in der alten r a u m verschafft
ein genialer gedanke!
das christentum also eine art einübung zur revolution
so hat ich das noch nicht gesehen
und es geht weiter
das postapokalyptische christentum sicherte sich sein überleben, indem es das saeculum, die welt einer durchdringenden entwertung unterwarf
es begann die welt des homo hierarchicus,
die psychologie der freiwilligen knechtschaft
da sind wir heute
das war die voraussetzung dass die arbeitsteilige kapitalistische maschine überhaupt funktionieren konnte

 

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