Bubbles

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Woher rührt die Wucht und die Dauer der Finanzkrise?  

Nun, Wertpapiere kann man nicht essen, aber alle diese "Papiere" haben einen harten Kern: Ihre Eigentümer haben einen Anspruch (in Form von Zinsen) auf die Ergebnisse der wirtschaftlichen Gesamtleistung. Die Formen des leistungslosen Einkommens haben ein Mehrfaches der verteilbaren jährlichen Resultate der Realökonomie erreicht. Vor dem Beginn des Crashs im Frühsommer 2007 war der Finanzüberbau, dieses artifizielle Kunstwerk über der globalen Realökonomie, wertmäßig knapp viermal zu groß. Es war überfällig: Die Pyramide von Ansprüchen bricht vor unseren Augen zusammen.

Die Aufblähung bezeichnet man als Bubble, sie spiegelt sich immer in Überbewertung, also in einer Abkopplung vom Realen. Es ist wie bei einer Illusion, die plötzlich zusammenbricht, von der man aber hätte wissen können, das sie nicht r e a l  ist.

Eigentlich gibt es keine Bubbles, sagen die allwissenden Kenner der Wirtschaftslehre. Ihre Fundamentalannahme ist , dass die Selbstregulierungskräfte des Marktes den Preis durch Angebot und Nachfrage bestimmen, was bedeutet , dass sich alles ganz toll regelt, weil eben niemand für eine Aktie mehr zahlt, als sie tatsächlich wert ist. (sie sind ja alle sooo rational) Und der Markt ist nach diesen Theorien eben schlau, er nimmt Entwicklung vorweg, rechnet zukünftige Gewinne schon in die Börsenkurse mit ein und so weiter.

In dieser Denke, wird eine Aktie, die aller Voraussicht nach 100 euro Dividende abwirft, sich (bei einem zinsfuss für festverzinzliche bei 4 %), vielleicht für 2000 euro verkaufen lassen. das eine % mehr verzinsung, das durch den kauf der aktie erwirtschaftet wird, ist dafür da das erhöhte risiko dieser anlage ausgleichen.

Kling alles furchtbar gut und rein theoretisch hängt damit der Kurs einer Aktie von genau drei Faktoren ab:

1. dem zinssatz für risikofreie anlagen,

2. den  erwarteten einnahmen aus dem papier

3. dem risiko des ausfalls dieser einnahme

Einfach lachhaft, wenn man dem etwas mehr auf den Zahn fühlt, denn 1. gilt ja schon lange nicht mehr. Risikofreie Anlagen sind verdammt Risiko behaftet, wie wir in den letzten Monaten gelernt haben. 

Die erwarteten Einnahmen aus dem Papier sind g a n z  kurzfristig zu betrachten. Was soll langfristig in dem System. Was gilt sind Quartalsergebnisse und das setze ich doch lieber auf einen Bubble als auf ein Realergebnis auf das ich Jahre warten muss. 

Und das Risiko des Ausfalls? Na gut unsere Bundeskanzlerin hat eine Garantie gegeben für Bankeinlagen. Aber was gilt es schon, wenn soetwas wie in BankRun droht. Das funktioniert doch nur, wenn der BankRun damit zu v e r m e i d e n  ist.  

Aber klar, Theorien wünscht man sich so, klar und übersichtlich. Das mag ich auch. Aber sie sollten auch r i c h t i g  sein. Meines Erachtens kann man fast alles, was hier verzapt wird im Kamin verfeuern. Das ist alles Schrott. Sie sollten sich mal ansehen, wie diese Bubbles entstehen, wie die Geldozeane zustande kommen und welchen Schaden sie anrichten. Das Finanzsystem ist k e i n  Selbstzweck. Es ist für die Menschen da und diese brauchen ein einigermaßen sicheres Umfeld. Dies ist aber damit n i ch t  zu erreichen. 

Aber zurück zu den Bubbles: Die Krisen aus zusammengekrachten Bubbles sind in den letzten Jahren mit zunehmender Häufigkeit aufgetreten.  Die Auswirkungen waren immer tiefgreifender und die betroffenen Länder wie auch die Weltwirtschaft hatten in der Folge mit immer bedeutenderen Problemen zu kämpfen. Alles andere als lustig. Wie kommt es zu solchen Aufblähungen, obwohl einem die Wirtschaftsexperten immer einhämmern, soetwas gäbe es nicht und es wären einfach menschliche Schwächen

 w a r u m werden,  wenn so eine Blase aufsteigt, Finanzpapiere plötzlich zu Preisen gehandelt, die jeden Zusammenhang mit den realen Werten verloren haben? Wie kann das denn passieren, wenn der homo oeconomicus doch so rational denkt?

Die Investmentbanker sind n i c h t  irre, das ist so eine billige Ausrede. Ich glaube nicht, dass das so einfach ist!

Ich denke in i h r e m  Umfeld, in ihrem Kontext verhalten sie die Broker durchaus rational. Wenn sie z. B. überbewertete Papiere kaufen und diese wieder verkaufen können (und das geht ja bei einer Blase eine schöne lange Zeit), dann haben sie Gewinnchancen ausgenützt, dann ist es für sie und ihre Bank oder Ihren Fond ein durchaus sinnvoller Handel (auch wenn  volkswirtschaftlich absolut blödsinnig und kontraproduktiv). Solange die Kurve überteuerter Aktien steigt, solande ist es für den Broker ein gutes Geschäft. Wenn er schafft rechtzeitig auszusteigen, hat er gutes Geld verdient und seinen Chef und die Anleger zufrieden gestellt. Das Grundproblem ist nur, dass niemand weiss, w a n n  die Blase platzt. Solange sie sich aufbläst kann man gut verdienen. Wer früh genug raus ist, h a t einen echten Reibach gemacht.  Den (die) letzen beißen die Hunde und das sind in letzter Zeit auch die Steuerzahler, also wir alle!!

Das Problem hinter diesen Blasn ist also ein Selbstverstärkungsmechanismen. Volkswirtschaftlich ist es durchaus sinnvoll, dass es soetwas wie Geldgeber, Anleger gibt. Sie sollen die besten Projekte mit Geld versorgen, so dass sie für uns alle entwickelt werden. Sie sind grundlegend für Innovatonen. Wovon niemand was hat, außer den Spielerseelen an den Börsen, an den Finanzmärkte, das sind die kurzfristigen Spekulationsgewinne. Und auch all die alten Leutchen in den USA, die in Pensionsfonds eingezahlt haben, werden sich zur Zeit die Augen reiben und schauen, was von ihrer Altersversorgung übrig geblieben ist. 

Aber nochmals, weil es mir wichtig ist:

Die höchste Rendite macht in diesem absurden Spiel  nicht derjenige, der Aktien auswählt, die ihm attraktiv erscheinen und selektiert somit auch nicht die besten Marktakteure, s o n d e r n es werden Papiere ausgewählt, die möglichst v i e l e n attratkiv erscheinen oder noch besser von denen möglichst viele denken, dass sie vielen attraktiv erscheinen ... Also pures Luftspiel, pures bubble!!!

Man k o n n t e  v i e l  v i e l  Geld  verdienen mit bewußt "falschen" Hypothesen", also bewußt aufs falsche Pferd setzen, bewußt auf die Blödheit der elektronischen Finanzherde.  George Soros wurde so zum Multimilionär.

Es kann also durchaus rational sein, im Sinne der Volkwritschaft ein Irrer zu sein.

Deshalb galt bisher immer,  nach der Blase ist vor der Blase.

Nur diesmal geht die Erschütterung tiefer und vielleicht denken ja auch noch ein  paar mehr Leute gründlich darüber nach, ob dieses Finanzsystem richtig tickt!!

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