Weblog von valentina

Ein Scheißleben ist das

Lieber Papa,

eigentlich hättest Du die Op jetzt schon überstanden. Dann aber haben sich Deine Blutwerte im allerletzten Moment so verschlechtert, dass sie Op abgesagt wurde.

Du warst wie ein Häufchen Elend. Und als man Dich dann aus dem KH entlassen hat mit den Worten, Du solltest erst wiederkommen wenn die Werte gut sind hab ich gedacht Du brichst zusammen.

Noch zwölf Stunden bis zur Op

 Lieber Papa, 

gerade hab ich Dich in die Klinik gebracht. Jetzt genau in 12 Stunden wirst Du operiert. Die Op die über Dein, nein unser Leben entscheidet. 

Noch zwei Tage bis zur OP

 Lieber Papa, 

nun ist es soweit: die OP steht an. Übermorgen ganz früh. Morgen bringe ich Dich ins Krankenhaus und ich mag mir gar nicht vorstellen, was alles passieren kann. 

Du nimmst das alles (scheinbar??) gelassen. So als wenn Du sagen würdest, entweder wird mir geholfen oder das wars mit dem Leben. 

Ich habe Angst

 Lieber Papa, 

ich hab heute nochmal versucht mit Dir zu reden. Willst Du die Op wirklich? Möchtest Du es Dir nicht nochmal überlegen? Es kann so viel schief gehen und ich habe Angst um Dich. Du sagst es nicht, aber ich glaube SO wie jetzt willst Du nicht weiter leben und da heißt es jetzt : es wird besser durch die Op oder das wars. 

Count down

 Lieber Papa,

nun geht es mir schnellen Schritten auf die OP zu. Gerade in letzter Zeit frag ich mich ob die Entscheidung sich operieren zu lassen die Richtige ist. Dabei war ich die Befürworterin. Die Angst sitzt mir wohl im Nacken es könnte schlimm ausgehen. 

Immer wieder die gleichen Frage:

Was ist wenn  Du verwirrt wieder aufwachst?

Pokerspiel mit hohem Einsatz

 Lieber Papa,

Du hast Dich für eine OP entschieden, weil Du es einfach nicht mehr aushälst und so habe ich Dir gestern einen Termin gemacht. 

Ich habe Angst und Du sicher auch. 

Was ist wenn die OP glückt und Du wie so viele ältere Menschen wirr bleibst? Haben wir dann etwas genwonnen? 

Ich habe Angst

 Lieber Papa, 

Scheißbürokraten oder wie lange hälst du das noch aus

Lieber Papa,

die nächsten Wochen haben wir zahlreiche Termine bei Ärzten um uns verschiedene Meinungen einzuholen, ob Op ja oder nein.

Es sind so viele Risiken bei dieser Op, aber nicht zu operieren ist genauso risikoreich.

Ich habe das Gefühl Dich so langsam zu verlieren.

Risiko

 Lieber Papa,

lange hab ich nicht mehr geschrieben, weil sich einfach nichts tat. Weder zum Positiven noch zum Negativen. 

Bei einer Untersuchung hat man jetzt festgestellt, dass Dein Rückenmark eingequetscht wird oder schon ist und Du jetzt die Wahl hast 

Neue Woche- neues Problem

Lieber Papa,

ja was soll ich schreiben. Irgendwie haben wir das bis jetzt auf die Reihe bekommen, wenn auch mit vielen Hindernissen.

Und nun hat Mama einen Unfall gehabt. Das heißt jetzt: Du kannst Deine Hände nicht gebrauchen und Mama darf durch ihre Verletztungen die Hände nicht mehr gebrauchen.

Und jetzt?

Ich weiß es nicht.

Auf oder ab, wer weiß das schon?

 Lieber Papa, 

Glück gehabt

 Hallo lieber Papa,

man muss auch mal Glück haben. Die Gutachterin war ganz nett und sie war voll auf unserer Seite und so bekommst Du das Geld weiter. Ach ich freue mich so für Dich. Mal nicht auf jeden Cent zu achten, das ist doch toll. 

Scheiß Bürokratie

 Lieber Papa,

 die Tumormarker sind leicht gestiegen, also heißt es weder aufatmen noch besondere Sorgen machen. Letzte Woche warst Du in der Klinik und hast Dich einer neuen Behandlung unterzogen. Mal sehen ob die Schmerzen weniger werden. Ich hoffe es so für Dich. 

Morgen...ich könnte vor Wut platzen wenn ich nur dran denke. 

Neuer Befund????

 Lieber Papa, 

morgen ist mal wieder ein Tag der so viel entscheidet. Vor 6 Wochen waren die Tumormarker stark in die Höhe geschossen, aber nichts festegestellt worden. Das kann bedeuten, dass der Krebs wiedergekommen ist, aber auf den Bildern noch nichts zu sehen war. 

Morgen also erneut die Ergebnisse der Tumormarker. 

Sprachlos und traurig

 Lieber Papa, 

als Dein Krebs im November 2011 ausbrach war es das Wichtigste für uns alle, dass Du krebsfrei wirst. Und tatsächlich hast Du DAS geschafft. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass .... ich weiß gar nicht wie ich es ausdrücken soll. Manchmal wünschte ich das Leiden hätte ein Ende. 

Geburtstag Nr 2 nach dem Krebs

Lieber Papa,

vor einem Jahr wussten wir noch nicht, dass der Krebs weg ist und tatsächlich ist er nicht wiedergekommen. Was für ein Wunder, wo doch die erste Ärztin Dir keine Überlebenschance gegeben hat.

Frohe Ostern, Papa

Lieber Papa,

gerade komme ich von Dir. Es tut mir  jedes Mal so weh, Dich so schwach zu sehen. Du scheinst immer kleiner zu werden und trauriger auch. Schade, dass wir es nie geschafft haben miteinander zu reden.

Ich würde Dich so gerne vieles fragen.

Ach Papa

Lieber Papa,

lange hab ich Dir nicht mehr geschrieben. Noch immer, nach so langer Zeit ist keine Veränderung in Sicht. Noch immer kannst Du nichts alleine machen oder fast nichts. Noch immer hast Du Schmerzen, dank der Chemo. Noch immer bist Du schwach.

Keine Verändernung in Sicht

Lieber Papa,

Verdammt noch mal, rede mit mir, Papa

Lieber Papa,

jetzt wo ich weiß, Du willst das nicht lesen, schreibe ich ohne was zu beschönigen. Notfalls lösche ich es.

Stillstand gebündelt mit Angst

Lieber Papa,

vielleicht klinge ich undankbar, aber es geht einfach nicht mehr weiter. Am Anfang hast Du so tolle Fortschritte gemacht und jetzt ist Stillstand. Mal einen Tag besser und dann wieder einen Tag schlechter. Und ich dachte die Fortschritte gehen so weiter.

Endlich ein Arzt

Lieber Papa,

Mal wieder ein Tief

Lieber Papa,

nun ging doch die letzten Wochen alles in die richtige Richtung, wenn auch sehr langsam und gestern nun das: statt dass die Polyreuropathie nachlässt verstärkt sie sich.

Mama sagt Du hättest gestern viel geweint und wolltest nicht mehr leben. Vor mir miemst Du den starken Mann: es wird schon wieder.

Das erste Jahr geht zu Ende, Papa

Lieber Papa,

ein ganzes Jahr ist nun rum, dass wir die Diagnose Krebs bekommen haben. Was für ein Jahr! Mit so vielen Tiefen und auch ab und zu Höhen.

Eigentlich hatte ich dieses Tagebuch mehr für Dich als für mich geschrieben, damit Du Dich erfreust wie gut es Dir geht, nachdem der ganze Scheiß überstanden ist.

Meine Mistkerle und Du Papa

Lieber Papa, nun bist Du ca 2 Wochen zu Hause und was soll ich sagen: täglich geschieht ein Wunder. Anfangs dem Tod näher als dem Leben lernst Du Tag für Tag mehr. Langsames gehen, alleine essen, sogar ein paar Schritte ohne den Rollator. Würden Menschen Dich so sehen, die Dich seit einem Jahr nicht gesehen haben würden sie denken: oh der Arme.

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